Montag, 21. Mai 2012

Das Leben danach...


 3 Monate sind mittlerweile vergangen seit meiner Rückkehr. Unglaublich, dass es schon wieder so lang her ist. Ich bin wieder ein-europäisiert, rückgekoppelt, zurückgeholt in die westliche Realität. Zwischen Leistungsdruck und Reiselust versuche ich das Leben wieder in die Bahnen zu bringen. Es gelingt. Und das nicht gerade schlecht. Doch es fehlt: Die Ferne! Der Abstand! Das Neue! Die Sonne! Alltag wie alle Tage. Rastlosigkeit, der Wille nach ständiger Herausforderung. Irgendwie ist ein Teil von mir noch immer auf dem südostasiatischen Teil der Welt. Auch alles jammern wird mich vorerst nicht wieder zurückbringen. Frühster Termin zur „Heimkehr“ ist November 2012. Daher bleibt mir hier nichts anderes als die ein oder andere Erfahrung und Reise nochmal ein wenig genauer zu betrachten. Jetzt wo ich den Abstand habe (oder auch eben nicht) zumindest den geografischen. Eigentlich Denkanstoß für diesen nachgeschobenen Blog ist mein Geburtstagsgeschenk von Vicky. Ja genau, mein Reisebegleitung durch Vietnam und mittlerweile eine meiner liebsten Wahlwienerinnen.
Das Buch „Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha“ hat mir ein wenig Mut gemacht zurückzublicken, denn dieses Werk sollte eigentlich Rückblick und Weitblick zugleich sein. Ein Geschenk was man sich von Herzen wünscht. 

Benjamin Prüfer beschreibt darin seine Leben als Reisender und sein Leben als Fremder in seiner neuen Heimat Kambodscha. Für jemanden der diese Reise erst antritt ist dieses Buch stellenweise eher abschreckend. Für mich ist es die Bestätigung dessen was ich erlebt habe und worüber ich von Herzen lachen kann. 

Er schreibt über Busreisen…
…ja Busreisen gab es einige. Die malaiischen eher luxuriös, die thailändischen durchschnittlich und die vietnamesischen eher grauenhaft. Die luxuriösen malaiischen erinnern mich an die Fahrt von Penang nach Kuala Lumpur kurz vor Weihnachten. Das wohl witzigste war hier der Erste Hilfe Kasten mit Glasreiniger und Kopfkissen. Dann gab es da aber auch noch die eisigen malaiischen mit Bine auf Borneo. Die Geschichte vom Erfrieren im Bus bei 10 Grad und einer Außentemperatur von 25. Mittlerweile weiß ich, dass je kälter desto reicher eine Grundeinstellung ist. Damals hab ich mir gewünscht ich würde einfach einschlafen. Stattdessen hab ich versucht meine Füße warm zu halten. Und das mit den komischsten Methoden. Handtuch drauf (ist jetzt noch nicht so komisch), Rucksack ausräumen und Füße reinstellen, Regenschirm aufspannen und sich drunter verkriechen. Und nein, es hat alles nichts gebracht. Was haben wir draus gelernt? Kuschel dich an deine Reisbegleitung und hoffe auf den ein oder anderen Stopp in kürzeren Abständen. Die durchschnittlichen Thai- Busfahrten sind in diesem Kontext nicht weiter erwähnenswert. Weiter nach Vietnam und den ewigen Fahrten über Stock und Stein sowie unzählige Schlagelöcher im Schlafbus. Es war von Hanoi nach Hoi An wo ich mit vietnamesischer Popmusik beschallt wurde. Es heißt ja eigentlich Lautsprecher und nicht Schreisprecher… Dann die sich übergebenden Frauen im Bus, die sich anscheißenden Kinder und die am Boden schlafenden aufgesammelten. Wozu sollte man gleich nochmal die Schuhe ausziehen? Heute kann ich über all diese Dinge lachen. Damals war ich einfach noch zu Deutsch um asiatisch zu sein! Bevor ich es vergesse: immer vermeiden mit Mini- oder Kleinbussen zu fahren. Ich spreche hier von den Erfahrungen „Perhentian Islands“

Weiter schreibt er über Religion…
 …sie hat mich überall verfolgt. In Malaysia war es glaube ich am auffälligsten. Keine der ethnischen Gruppen hat mich jemals in irgendeiner Weise negativ überrascht. Eine Gruppe wird jedoch immer in meinem Herzen bleiben: „Jeder sollte einen Inder haben!“ Ach ja und dann die lustige Situation an meinem letzten Tag in Penang. Supermarkt in der 1st Evenue: Claire, ihr Schweizer Mitbewohner und ich beim Einkaufen. Beide hatten solchen Hunger auf Schweinefleisch, dass sie sich in der Tidak- Hallal- Abteilung (also nicht Allah konforme Lebensmittelabteilung)damit eindeckten zur Kasse stürmten und einem kopftuchbedeckten Gesicht entgegen blickten welches voll grausen das Paket am Zipfel der Verpackung anfasste, es über den Scanner zog und es fast schon wegschmiss vor ekel. Was hat der Schweizer Herr draus gelernt? Niemals bei einer Frau mit Burka oder Kopftuch an der Kasse, Schweinefleisch zahlen wollen. 

Ben schreibt über heuchlerische Einheimische…
…auch mit denen hatte ich mein Vergnügen. Komischer Weise überwiegend in Vietnam. Die Frau mit dem Obstkorb die alles dafür tat um uns ein schönes Foto zu bescheren und uns dann mit 5 US$ pro Stück, Ananas andrehen wollte. Der Taxifahrer der mit Meter fuhr, was im Sekundentakt lief. Wären wir wirklich in der Zeit das gefahren was da auf der Uhr stand hätten wir locker nur einen Tag nach Hause gebracht mit dem speed- Mobil was er da angeblich hatte. Dann muss man sich noch beschimpfen lassen. Was habe ich gelernt? Sei zu Recht misstrauisch, wenn jemand 5-mal betont er wolle kein Geld oder nicht mehr als üblich.

Prüfer schreibt auch über Armut…
…von der es leider viel gibt. Interessant daran ist jedoch, dass die Menschen mit dem was sie haben oftmals sehr glücklich sind. Sie kennen es nicht anders. Für sie ist das größte Glück der Erde ihre Familie (oftmals). Was ich mitgenommen habe? Genieße dein Leben und freu dich über die kleinen Dinge. Nichts ist so wertvoll wie die Zeit die du damit verbringst glücklich zu sein mit dem was du bist und was du hast.
Auch ein sehr leidiges Thema lässt Herr Prüfer nicht aus, die Backpacker…
…die, die immer durch die Gegend streunen und die Welt erobern wollen. Komischer Weise kommen sie über Umwege alle zum selben Strand, Aussichtspunkt, Palast, Pagode oder Sehenswürdigkeit. Diese Menschen die der Meinung sind sie entdecken ein Land. Leute, das Ding ist rum! Lonely Planet und Marco Polo waren vor euch da, habens aufgeschrieben und ihr meint ihr könnt was anderes entdecken? Tut nicht so als wärt ihr was Besonderes. So ziemlich jeder den ihr unterwegs trefft hat ähnliches gemacht. Hört auf so hochnäsig durch die Gegend zu laufen und euch plakativ Lonely Planet als eure Religion an die Fußsohlen zu kleben. Natürlich sind das die schönsten Fleckchen eine Landes, nur haben und werden sie noch hunderte und tausende andere Menschen sehen. Was lernen wir daraus? Backpacken ist spaßig. Das Budget muss stimmen, dann geht einiges mehr als LP und andere Reiseführer vorschlagen. Ohne Plan backpacken ist Blödsinn. Wobei Reisen und backpacken ja schon dramatisch unterschiedlich sind. Aber diese Definitionssache möchte ich hier nicht ausdiskutieren. 

Weiter geht’s beim Benjamin mit Booten…
 … und auch mit denen haben wir unsere Erfahrungen gemacht. Bine eher schlecht als gute aber alles in allem waren die Fahrten gut bis mittelmäßig. Ob Malaysia itself oder eben Borneo, Bali, Lombok, Gili Islands, Hong Kong oder Mekong Delta. Es war alles erträglich. Trotzdem haben wir was gelernt. Und zwar: 1. Verstaue dein Gepäck niemals an Deck. 2. Versuche immer einen Sitzplatz draußen zu bekommen (sonst musst du erfrieren) und 3. Ignoriere Umweltverschmutzer, denn sie werden wegen dir nicht aufhören Cola Dosen und Plastiktüten in Flüsse und Meere zu werfen.

Dann ist da noch die Regenzeit,…
… die ich ausgiebig mitgemacht hab. Es regnet den ganzen Tag und es ist kalt. So ein Blödsinn. Es regnet maximal 2 Stunden am Stück und es kühl einfach nicht ab. Im Pool planschen bei Monsunregen ist einfach toll. Mit der mitteleuropäischen Version von Regen hat das alles wenig zu tun. Von wegen Nieselregen. Eimerweise kommt´s da runter. Leider muss man das ganze auch Eimerweise wieder aus der Wohnung schöpfen, da die baumeisterlichen Ausprägungen der asiatischen Immobilien eher dem Prinzip „Holzhütte“ entsprechen. Wie hat Mama Wendy so schön gesagt? „Ihr müsst Handtücher unter die Fenster legen, dann geht das schon!“ Dieses Erlebnis hätte ich mir jedoch gern geschenkt. Frisch gelandet aus Singapur und fertig von all den Erlebnissen standen wir am Fenster und bewunderten in unseren nord- mitteldeutsch- österreichischen WG den Regen. Nachdem im Nachbarviertel ein Blitz eingeschlagen hatte entschlossen wir uns genauso schnell ins Bett zu gehen. Kaum die Augen zugemacht plätscherte es. Ich stand auf und schon stand ich im Wasser. Juhu, Innenpool im 15. Stock. Bine und Henrik aufgeweckt und losgeputzt. Morgens um 5 waren wir dann fertig. Ergebnis: Wir wissen nun wozu ein Abfluss im Wandschrank gut ist, dass man 5 große Eimer Regenwasser mit dem Handtuch aufsaugen kann und dass die Lösung des Problems einfach wie simpel Löcher in den Schienen des Schiebefensters sind. Ein hoch auf den malaiischen Handwerker, der uns vor einer weiteren Überflutung gebohrt ähm gerettet hat (mit Anleitung).

Es gibt eben einige Dinge und noch viele mehr zu erzählen. Im Ende weiß ich, dass mich Südost- Asien wieder sehen wird. Und das so ziemlich genau um den 15.11.2012. Schon jetzt freue ich mich auf eine unvergessliche Reise zu Jith unserer Inderin, die uns zur Hochzeit eingeladen hat. Bis dahin werde ich wohl wie jetzt auch jeden Tag immer einmal an die vergangene Zeit denken. Nicht, dass ihr jetzt denkt ich bin bekloppt oder so. Ich mag diese Länder, weil sie einfach sind wie sie sind. Ich werde nichts Neues entdecken aber ich werde es für mich entdecken.
Und für alle die, die diesen Blog gelesen oder Bilder angeschaut haben: Ich habe versucht euch Länder näher zu bringen, Gefühle zu zeigen und einen Eindruck von dem zu vermitteln was ich dort gesehen und erlebt habe. Wirklich erklären kann man das alles nicht. Es ist anders und auch ganz anders als die meisten sich das vorstellen.
So sitze ich hier an meinem Fenster in Wien mit Blick auf den Innenhof, schreibe diese Zeilen und denke an die vergangene Zeit die mir schon so lang vergangen vorkommt. Doch die Sterne die hier funkeln sind die gleichen und das ist es was mich wohl immer mit dieser Zeit verbinden wird, so wie sie mich in meiner Abwesenheit mit meinen Lieben zu Hause verbunden haben.
Und jede neue Reise hält wieder und wieder eine Erfahrung bereit. Und ist sie noch so klein. Ob München, Fulda, Wien, Hannover oder Kopenhagen: es hat alles seinen Reiz.

„Das Leben ist ein Buch, und wer nicht reist, liest nur wenig davon“
Jean Paul (1763- 1825)

Wie das Leben zu Hause so ist? Anders! Aber genau so wie ich es mir vorgestellte habe. Es ist als wäre man nie weg gewesen...

Freitag, 17. Februar 2012

Retrospect

Nun ist es wirklich vorbei! Da viele diesen Reisebericht verfolgt haben kommt hier noch eine Zusammenfassung der Erlebnisse in Zahlen, Daten und Fakten:

Alles begann am 2. September 2011 und fand am 15.02.2012 sein Ende. Das macht dann 5,5 Monate oder auch 23 Wochen. 
In diesen 166 Tagen sammelte ich Erlebisse und Erfahrungen in 9 Ländern. Von Nord nach Süd:
Hong Kong
Macau
Vietnam
Thailand
Malaysia
Brunei
 Borneo
Singapur
Indonesien
Wobei nun 36 Stempel meinen Reisepass füllen.

Und legte dabei 44.480km zurück, die sich zusammensetzen aus:
Flugweg: 39.516,38 Flugkilometer was 57,48 Flugstunden entspricht (danke an David, der sich Stunden damit beschäftigt hat diese Zahl zu berechnen!)
Wasserweg: 908km über Flüsse und Meere
Landweg mit Gefährt: 4055km (ausgenommen Taxifahrten)
 Landweg zu Fuss: nicht messbar!
 Damit habe ich 1,1 Mal den Äquator umrundet, der mit einer Länge von 40.075,02km die Erde umspannt.
 Auf dieser Reise entstanden 19.826 Bilder, die in 3 Bildbänden zusammengefasst werden. 

In dieser Liste lassen sich 7 Landeshauptstädte vermerken:
Hong Kong
Macau
Hanoi
Bangkok
Kula Lumpur
Bandar Seri Begawan
Singapur

Auf solchen Reisen läuft es (oder man) halt manchmal nicht so gut. Daher kam es zu 7 Verletzungen die in Form von Narben überwiegend auf der linken Seite (wie Bine und ich festgestellt haben) als Erinnerungen dienen.
Auf die unzähligen Mückenstiche möchte ich hier jetzt nicht eingehen...

Was mir dieses halbe Jahr sonst noch gebracht hat? Es hat mir Freunde und Erfahrungen gebracht. All das möchte ich nicht missen und es wird sicher noch eine Zeit dauern bis ich all das verarbeitet und realisiert hab. Ich kann jetzt schon sagen, dass es wohl die bisher beste Entscheidung meines Lebens war.
Jetzt hat mich der Alltag wieder und ich freue mich auf neue Aufgaben und Herausforderungen! Danke nochmals an alle Leser und alle, die mich durch diese Zeit begeleitet haben und an meine Reisebegleitungen Bine, Vicky, Martin und Angie, die jede Reise zu etwas Besonderem gemacht haben. Besonderer Dank gilt meinen Eltern, die mich manches Mal aufgefangen haben, wenn es doch zu viel wurde!

Montag, 13. Februar 2012

Vietnam- Mitte bis Süd- kulinarisch und schockierend

 Nachdem Tag 1 in Nha Trang eher der Müdigkeit und dem Blog zugeschrieben wurde und Vicky mit ihrer Busverkühlung zu kämpfen hatte machten wir Tag 2 eine Tour durch die Stadt die sich dem russischen Tourismus zugeschrieben hatte. Wir liefen los und kamen an der Kathedrale an, die sich wirklich gut in Nha Trang macht und ein Überbleibsel aus Tagen der französischen Herrschaft ist.
Vor dieser Sehenswürdigkeit sahen wir dann den frischesten Fisch überhaupt…
Nun gut, wir schauten uns um in der Kirche und so langsam merkt man wie sehr man Europa vermisst, denn man besichtigt einfach jede Kirche.
Weiter gings! Auf dem Weg zum Markt machten wir die ein oder andere lustige und landestypische Entdeckung.
Der Markt war einfach riesig und wie immer überfüllt mit allem Dingen, die man im Leben braucht oder auch eben nicht braucht.
 Bei einem Stopp mit dem mittlerweile als normal angesehenen Juice machte ich mich als Wegweiser nützlich. Sah dann ungefähr so aus und die 3 Karten erwiesen sich zusammen dann doch als hilfreich.
 Also weiter zum Strand und einen kleinen Spaziergang am selbigen. Das Wetter war nicht so toll und auf der Suche nach einem Kaffee wurden uns wieder die russisch angepassten Preise in Erinnerung gerufen. Auf dem Weg ins Hotel kamen wir an einem selten existierenden Supermarkt vorbei. Und stellt euch mal vor was es da so alles gab!
 Vicky war dann einfach nur fertig und wir machten unseren Weg zurück ins Hotel. Ich hatte mir überlegt, dass ich noch zu den Salzfeldern wollte aber der nette Herr an der Rezeption erklärte mir, dass es dafür um 16 Uhr schon zu spät wäre. Ich vertraute ihm da mal, auch wenn ich mich noch locker auf ein Mopedtaxi hätte schwingen können. Aber nun gut. Stattdessen verbrachte ich meine Zeit mit lesen am Strand. Ein bisschen Sonne tanken war auch gut.
 Am Abend suchten wir uns noch was zu essen auf der Strasse und den ein oder anderen Saft gabs auch. Nebenbei wurden wir noch Zuschauer einer Clutural Show, die auf dem Platz vorm Theater aufgeführt wurde und wie es eben so ist in Asien werden Strassen nicht abgesperrt sondern der Verkehr einfach mitten durchs Geschehen geleitet.
 Nach einem Bier in der „Why Not“ Bar, hieß es dann mal wieder ab ins Bettchen, denn wie schon so oft auf dieser Reise ging sie um 7:30 am nächsten Morgen weiter.
Endstation nach 5,5 Stunden war Dalat. Komischer Weise hatten wir mal wieder einen Schlafbus, was eher ungewöhnlich ist Tagsüber und auch extrem unbequem. Aber wie auch immer, wir sind angekommen und der Zwischenstopp zur Kaffeepause hatte nicht zu viel versprochen von dem was uns erwarten würde. Hier mal der Zwischenstopp…
 Nun mal zu den Fakten: Unser Zimmer kostete 10USD die Nacht und war ein Tanzsaal. Dalat liegt traumhaft in den Bergen und das Wetter war auf unserer Seite. Juhu!
Eingezogen im Saal und voller Energie eroberten wir die Hügel der Stadt. Wir fanden einen Buchladen, der auch ein Café war und tranken wie es sich gehört einen Kaffee mit frischer Dalatmilch.
Leider holte uns dann doch der Regen ein und wir saßen 2 Stunden in einem Kaffee fest. Zum Glück hatten wir schon ein bisschen was gesehen. Und nach dieser kurzen Erfrischungseinlage schauten wir noch auf den Central Market und kauften eine Flasche Dalat Wein. Damit war der Tag schon fast gegessen und wir machten uns auf die Suche einen Spa zu finden, der unsere Füße etwas beruhigen könnte. Leider ging diese Idee nach hinten los, denn ein logischer Straßenverlauf ist nicht zu finden. Also wanderten wir einmal durch die Stadt und es wurde dunkel. Aber hier die Eindrücke von Dalat City.
Zum Glück fanden wir auf dieser Tour dann ein gutes Restaurant und ließen uns dort noch ein Weilchen gut gehen bevor wir den  Heimweg antraten, denn auch der nächste Morgen begann wie schon so oft: FRÜH!
Wir hatten am Tag unserer Ankunft gleich eine Tour gebucht. Die Startete um 8 und brachte uns mit 5 anderen rund um Dalat und die natürlichen Sehenswürdigkeiten, die diesen Landstrich so schön machen. Aber erstmal Frühstück und das fiel schon recht fröhlich aus…
Abgeholt und in den Minibus gesetzt machte uns unsere Führerin (Sim) bekannt und erklärte uns den Tag. Los gings auf der Flower Farm. Wundervoller Duft eroberte unsere Nasen und uns wurden die Blützeiten von Gerbera, Rosen und Co erklärt. Wir schauten zu, wie die Arbeiterinnen die Blumen in schützendes Plastik einhüllten. In Dalat gibt es eine große Farm und mehrere Felder, die aber eher als Kommune genutzt werden und somit auch mehrere Farmen ergeben, die aber je Feld in privater Hand sind.
Weiter gings zur Kaffeeplantage. Endlich sahen wir den so berühmten und deliziösen Kaffee wachsen und gedeihen. Wusstet ihr, dass man die Schale, der Kaffeebohne essen kann, wenn sie frisch vom Baum kommt? Ich nicht, aber sie war gut. Süßlich!
Wir erfuhren, wie oft man von einem Baum ernten kann. 5 Jahre braucht es bis man die ersten Bohnen ernten kann und wenn der Baum 30 Jahre alt ist wird er rausgerissen, weil die Qualität nicht mehr der gewünschten entspricht. Wir schauten uns noch ein Hause der Arbeiter an und erfuhren nebenbei, dass in Vietnam 54 Volksgruppen leben. Die größte sind die Kim, der auch unsere Tourleitung angehört.
Genug von solchen netten Informationen. Weiter gings zu kribbeligeren Angelegenheiten. Die Cricket- Farm. Das sind Grillen. Ja wir schauten uns an, wie sie gezüchtet wurden und es wurde erklärt, dass es eine Delikatesse ist, die nur zu besonderen Anlässen Kiloweise zubereitet wird.
 Wie soll es auch anders sein? Klar haben wir sie auch zubereitet zu Gesicht bekommen…
Und ja…
 … ich habs getan!!!!!

Wie unsere Sim so nett sagte, hatten wir was im Bauch und konnten nun zur Kaffeerösterei fahren. Das war wesentlich angenehmer und es erwartete uns Wiesel- Kaffee. Ja, genau das ist der Kaffee, den die Viecher als frisch geerntete Bohne fressen und ihn dann wieder durch den Hinterausgang frei geben.
Süß sind sie ja die Wiesel. Und ja, der Kaffee ist auch gut! *hihi*
Nach diesen kulinarischen Highlights gings weiter zur Seidenfabrik. Dort hatten wir die Möglichkeit zu zuschauen wie die kleinen Raupen aus ihren Kokons gekocht werden um an die Seide zu kommen. Eine wirklich aufwändige Arbeite. Aber seht selbst…
Nachdem ich mir natürlich ein Andenken mitgenommen hab wurde es Nass. Es ging zu den Elefant- Waterfalls. Nein, hier fällt das Wasser nicht über Elefanten. Aber es ist eine nette Geschichte dahinter. Früher war es ein normaler Fluss, der vor sich hin in Richtung Meer  floss. Eines Tages brüllte ein Elefant und das war so laut, dass die Felsen erbebten und der Fluss in die Tiefe stürzte. Der Elefant wurde darunter begraben und heute ist er mit Gras überwachsen und schlummert im Nebel des Wasserfalls.
Wirklich schön dort und auf jeden Fall sehenswert. Man kann auch unter den Wasserfall klettern.
Wie praktisch, dass der nächste Ausflugspunkt gleich hinter dem Wasserfall zu finden ist. Der smiling Buddha. Ja wir kenn ja nun schon einige von denen aber der wars echt wert ihn nachzumachen…
Genau wie die Löwen vorm Tempel.
Schon war Mittagszeit und die fast letzte Station auf der Tour war ein Cultural Village. Leider nicht so, wie ich es mit Bine auf Borneo erlebt habe aber es war nett gemacht. Eben sehr touristisch. Aber die Handarbeiten der Frauen waren wirklich beeindruckend.
Achja und dann war da noch diese Riesenorchidee.
Letzter Halt war das Crazzy House. Ein Haus was als Hotel genutzt wird aber eigentlich ein bisschen ist wie ein verrücktes Märchenhaus. Dazu muss man sagen, es ist noch immer im Bau. Aber lasst euch mal ins Märchen versetzen.
Der Tag endete im Buchladen- Café und bei einem Abendessen, bei dem wir französisch männliche Unterstützung bekamen.
Auch der 8.2. begann früh wie schon gewohnt. Da überlegt man sich wirklich ob man nicht mal Urlaub vom Urlaub machen sollte. Aber wir sind ja noch voller Energie und wollen noch so einiges sehen. Also rein in den Bus und ab nach Saigon oder auch Ho Chi Minh City genannt. Mit dem Taxi wurden wir zur nagelneuen Busstation gebracht und von dort im Komfortbus nach Saigon.
 Mit reichlich Verspätung (Abends um 6) kamen wir dann an. Auf der Straße wurden wir wie immer mit fragenden Einheimischen überhäuft, die Taxi, Mopedtaxi oder Hotelzimmer anboten. Wir checkten im Ende in einem kleinen und etwas herunter gekommenen Zimmer über einem Schneider ein. War ja nur für eine Nacht. Warum nur eine Nacht? Naja wir wollten unsere Zeit in Saigon ja genießen und das Mekong Delta stand ja auch noch auf dem Programm. Also hieß es: Suche aus 1000 Angeboten, die - by the way- eh alle gleich sind, und entscheide dich! Super Idee. Aber wir fanden ein Angebot, dass uns 2 Tage Mekong mit Homestay für 25USD versprach. Wobei wir auch schon beim nächsten Tag wären.
Achja, bevor ich es vergessen. Die Unterkunft war zwar günstig aber auch mitten in der Partymeile gelegen. Das hieß, wenig Schlaf und viel Lärm um nichts.
Wir wurden wie verabredet am nächsten Morgen abgeholt und der Bus brachte uns nach 2 Stunden Fahrt ans Mekong Delta. Wir wurden vom Bus aufs Boot geladen und über den Mekong geschippert. Hier besuchten wir die 4 Inseln (Dragon, Unicorn , Tortoise, Phoenix). Hier konnten wir zuschaun, wie Coconut Candy gemacht wird und solche Sachen eben. Schön war es dort schon. Das Problem: 1000de Touristen die alle ein Stück vom Mekong sehen wollen. Furchtbar überrannt und genau das macht Land und Leute eher uninteressant. Kommerzialisierung ist genau das, was man sich für dieses Fleckchen Erde nicht wünscht.
Das schönste an diesem Tag war die Tour durch die Mangroven mit einem kleinen Boot.
Nachdem wir wieder angekommen waren am Festland gings in den Bus und der brachte uns in die größte Stadt im Delta. 4 Millionen Menschen leben hier und der größte Teil der Reisegruppe würde die Nacht in einem Hotel dort verbringen. Nicht mit uns. Wir hatten den Homestay gebucht und wurden auch gleich von Einheimischen abgeholt. Ein Taxi bracht uns im Dunkeln ans Wasser. Dort stiegen wir in ein Boot um. Wir, das waren Vicky, ein französisches Pärchen und ein Ami der eigentlich Mexikaner ist. Los gings. Die Sterne über uns funkelten und wir waren berauscht von diesem Anblick. Angelegt und ausgeladen bezogen wir unsere Hütten.
Bei unserer Flasche Dalat Wein machten wir es uns bequem am runden Tisch und aus heiterem Himmel stießen noch 2 Engländer aus der Reisegruppe hinzu. Es gab ein wirklich gutes Abendessen. Der Fehler des Abends: unser Gastgeber tischte Reiswein auf. Das war eher 70%iger Fusel aber was trinkt man nicht alles. Und wir tranken viel: 3 Liter machten wir zu 5. nieder. Wie es mir und dem Rest der Truppe danach ging ist wohl absehbar.
Auch der nächste Morgen begann früh und wir wurden mit dem Boot zum Boot der restlichen Reisegruppe gebracht.
 Gepäck und Passagiere auf die Boote verteilt ging es weiter zu sämtlichen Stopps. Diese waren…
Der floating Market:
Wie man Reisnudeln macht... Und zu guter letzt dann noch ein Stopp bei dem ich dann im Boot geblieben bin, weil es einfach nur noch Zeit totschlagen war und die Informationen eher dürftig waren. Außerdem mag ich ungern mit 1000 anderen Menschen einen Weg entlang schleichen und dann nicht sehen worum es überhaupt geht, weil alle davor stehen.
Ende der Tour und zurück nach Saigon…
Zum Glück hatten wir uns schon vor unserer Abreise aus Saigon ein Hotel gebucht und fielen mehr Tod als Lebendig ins Bett. Ein langer langer Tag war zu Ende.
Endlich ausschlafen und dann ein gutes Frühstück. Fein! Wir machten uns auf zu den Sehenswürdigkeiten in Saigon. Da wir zentral wohnten war das alles zu Fuß zu machen. Erste Haltestelle war der Reunification Palace. Jetzt fängt man an über die Geschichte des Landes mal etwas genauer nachzudenken. Das sollte auch bis zum Abschluss unserer Reise so bleiben. Ich möchte an dieser Stelle nicht die Geschichte Vietnams ausbreiten aber so viel sollte gesagt sein: Auch Vietnam war geteilt. Nicht wie bei uns West und Ost sonder Nord und Süd. Der Reunification Palace war der Ort n dem die Wiedervereinigung der 2 Länder zustande kam. Deshalb hat er auch heute noch eine enorme Bedeutung für die Vietnamesen. Früher stand an dieser Stelle ein europäisches Gebäude. Damals herrschten die Franzosen über den Süden und an der Stelle des Palastes stand der Regierungssitz. Der wurde abgerissen und durch ein neumodisches Gebäude ersetzt. Wir machten die einstündige Führung mit und ließen uns sämtliche Räume erklären.
Ein seltenes Bild, wenn man vor diesem Gebäude steht und niemand sonst dort ist. Kein Wunder, auch der Palast hat mal Mittagspause.
Nun kommen wir zu dem Teil des Tages, der wirklich einiges mit dem weiteren Verlauf zu tun hatte. Das War Museum. Ja, es ist sehenswert und ja man sollte einige Zeit darin verbringen. ABER: Das was man dort du sehen bekommt sind Bilder und Eindrücke von Kriegsfotografen, gespickt mit den Geschichten zu den Bildern und Hintergründen zu diesem Krieg. Es war grauenhaft. Hier ein paar Eindrücke:
Nach diesem Schock kehrte ein wenig Stille ein und wir wurden nachdenklich und versuchten auf dem Weg zum nächsten Kaffee die Geschichte des Landes mit der Deutschen zu vergleichen. Im Souvenirshop kaufte ich noch ein Buch. Es ist das Tagebuch einer Ärztin, die im Krieg half und in diesem starb. Ihre Geschichten wurden 2005 veröffentlicht. Es liest sich gut und man bekommt ein bisschen Hintergrundinformationen.
Ganz klar, dass uns ein ruhiger Ort nach diesen Eindrücken am Liebesten war. Da kam die Kirche ganz recht.
 Wir verstummten noch mehr und machten uns schließlich auf den Weg uns einen Kaffee zu besorgen.
Es war: „Wo New York drauf steht ist auch New York drin“- Kaffee und er war riesig und dazu noch schmackhaft.
Der Tag neigte sich dem Ende zu und alles was uns noch blieb war die Erinnerung an die 2,5 Stunden Museum und ein Spaziergang, der uns zur alten Post und zum Ufer des Saigon Rivers brachte.
Achja, und dann war doch noch die Geschichte mit dem Luxusshopping Center. Wir wollten uns abkühlen und da Shopping Center da ja ganz gut für sind machten wir das auch. Zwischen Jimmy Choo und Prada fand sich natürlich auch ein JustCavalli Store. Vicky hatte ja natürlich nichts Besseres zu tun als mich dort rein zu schleifen… „Zieh einfach ein paar schräge Sachen an. Du kannst es ja machen!“ Gesagt, getan. Das Problem: diese Sachen waren gar nicht mal so hässlich und mir fiel eine Hose ins Auge. Ich probierte sie. 7,3 Millionen sollte sie kosten (Dong). Der Verkäufer meinte sie ist 50% reduziert. OK, ja ich hab zugeschlagen! War eine Belohnung fürs bestandene Semester.
Weiter gings danach zum Nightmarket, der eher ein Plundermarket war. Aber naja, man kann sich ja überraschen lassen und ist guter Hoffnungen, dass es eben doch was Besonderes ist.
Am Abend buchten wir dann noch die nächste und gleichzeitig die letzte Tagestour Die Cu Chi Tunnels. Und mit dem Wissen am nächsten Tag wieder mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden wurden die Gespräche über den Vietnamkrieg nicht weniger bis wir schließlich einschliefen.
Der letzte Tag in Saigon führte uns in den Untergrund, 2 Stunden nordwestlich von Saigon. Hier trafen wir ein paar aus der vorherigen Mekongreisegruppe wieder. Uns wurde demonstriert wie die vietnamesischen Kämpfer sich den Untergrund in 200km langen Tunneln zu Nutze machten und wir durften auch selber reinkriechen. Sie zeigten uns Fallen die sie nutzten um die Amerikaner zu „fangen“ oder eher zu verletzen. Ich möchte nicht noch mehr darüber erzählen.
Achja, im Tunnel wars heiß und stickig und 70 Meter können im fast Dunkeln ganz schön lang sein. Ich bewundere die Soldaten die Wochenlang in 3 verschiedenen Ebenen (3; 5 und 12 Meter) gelebt und überlebt oder darum gekämpft haben zu überleben...
Eines noch: Ich finde es mehr als fragwürdig, warum man bitte genau an diesem Ort Menschen die Möglichkeit bietet mit Waffen aus dieser Zeit in der Gegend rum zu schießen. Wie Geldgeil kann eine Nation eigentlich sein? Schlimm genug, dass einige der Touristen dieses Angebot wahr nahmen…
Das war also der letzte Eindruck aus Saigon. Der Tag endete mit einem Spaziergang durch Cholon. Das ist das Chinatown von Saigon und hier wurden wir mit offenen Armen und von lächelnden Menschen empfangen.
Nebenbei bemerkt: Saigon hat 9 Millionen Einwohner und 12 Millionen Roller. Es kann sich wohl jeder denken wie laut und verkehrsreich diese Stadt ist. Zeit zum durchatmen.
Das heiterte die Stimmung der letzten Tage wirklich auf. Mit einem Kaffee im „Soho“ verabschiedeten wir uns aus diesem Viertel und begossen mit einem Bier beim Abendessen 2,5 Woche von Nord nach Süd durch Vietnam. Mit vielen Erlebnissen und der Gewissheit, dass diese Nation etwas Besonderes ist aber etwas Kommerzielles wird und auch schon ist. Danke nochmal an meine wundervolle Reisebegleitung. Die nächsten Touren in dieser Konstellation sind schon in Planung. Vicky ich danke DIR :)
Abschließend: Vietnam ist eine Reise Wert. Abseits von Massentourismus ist es eines der wundervollsten Länder. Leider ist auch hier wie überall das Geld zum wichtigsten Aspekt im Leben der Menschen geworden. Von Nord nach Süd hat dieses Land vieles zu bieten. Man muss es mögen! Ich mag es bedingt...